1803–1986

Bronnbach und das Fürstenhaus Löwenstein-Wertheim-Rosenberg


Mit der Säkularisation fand die 650 Jahre währende Klostergeschichte ihr – vorläufiges – Ende. Im Jahr 1803 wurde das Kloster aufgehoben, der gesamte Besitz gelangte an das Fürstenhaus Löwenstein-Wertheim-Rosenberg. Einige der bisher in Bronnbach lebenden Mönche siedelten in andere, weiterbestehende Klöster über, andere verbrachten ihren „Lebensabend" außerhalb des bisherigen klösterlichen Lebens in Bronnbach. Der letzte in Bronnbach verbliebene Mönch des aufgelösten Konvents verstarb im Jahr 1832. Die neuen Besitzer begannen, Bronnbach umzustrukturieren, ohne jedoch massive Eingriffe in die bestehende Bausubstanz vorzunehmen.

Die bisher vom Kloster genutzten Gebäude wurden in Wirtschaftsbetriebe, Wohnungen und Lagerräume umgewandelt. Die bereits zu Klosterzeiten betriebene Landwirtschaft wurde zu einem Ökonomiebetrieb mit Milchviehhaltung und Schweinemast ausgeweitet, die kleine Klosterbrauerei entwickelte sich unter dem Firmennamen „Schlossbrauerei Bronnbach" zu einer überregional bekannten Brauerei. Teile der rosenbergischen Verwaltung zogen in die leer stehenden Gebäude ein und verwalteten von hier aus die alten und neuerworbenen Besitzungen im Bereich von Tauber und Main. Viele Familien der in Bronnbach beschäftigten Angestellten fanden Unterkunft in den nicht für Werkstätten o. ä. benötigten Räumlichkeiten des ehemaligen Klosters. Um 1855 wurde Bronnbach sogar (wieder) Residenz. Der aus Portugal vertriebene König Dom Miguel de Braganza, der eine Rosenbergische Fürstentochter geehelicht hatte, fand mit seiner Familie hier bei seinen Schwiegereltern Zuflucht. Mitglieder der Fürstenfamilie Löwenstein-Wertheim-Rosenberg bewohnten Teile der Klosteranlage bis zum Verkauf des Areals im Jahr 1986. Mit der gestiegenen Bedeutung Bronnbachs als herrschaftlichem Residenzort hängt sicherlich auch der Bau des Bahnhofsgebäudes zusammen, das auf der gegenüberliegenden Tauberseite an der 1868 vollendeten Eisenbahnlinie Lauda-Wertheim in neoromanischem Stil errichtet wurde. Nicht zuletzt den intensiven Bemühungen des Landkreises ist es zu verdanken, dass hier auch heute noch Züge halten.

Ein zartes Pflänzchen neuen klösterlichen Lebens erwuchs Bronnbach im Jahr 1922. Nach dem ersten Weltkrieg aus der Zisterzienserabtei Sittich (Sticna, bei Ljubljana) in Slowenien ausgesiedelte Patres suchten und fanden in Bronnbach eine neue Heimat.Schwierige äußere Bedingungen, vor allem beengte Raumverhältnisse und der störende Einfluss des Brauereibetriebs, machten eine dauerhafte Ansiedlung jedoch unmöglich. Nach wenigen Jahren ihres Wirkens im Taubertal zogen die Zisterzienser 1931 nach Seligenporten in der Oberpfalz weiter.
Die Bemühungen des Fürsten, für die Seelsorge in Bronnbach erneut einen Orden gewinnen zu können, waren von Erfolg gekrönt. Bald nach dem Wegzug der Zisterzienser siedelten sich Kapuziner an, die bis 1958 in Bronnbach tätig waren. Nach der durch Personalmangel bedingten Auflösung auch dieser Ordensniederlassung waren einzelne Jesuitenpatres in der Seelsorge in Bronnbach tätig, bis in den 1980er-Jahren die Dominikaner in Bronnbach Einzug hielten.


 Kloster Bronnbach 1907
Kloster Bronnbach 1907. 
 
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