Die Bronnbacher Klosterkirche


von Dr. Katinka Häret-Krug

 

Äusseres


Im Jahr 1157 wurde der Bau der Klosterkirche im Osten begonnen. Die Verlegung von der Anhöhe ins Tal war durch die Schenkung des Mainzer Erzbischofs Arnold von Selenhofen möglich geworden. Die Kirche wurde nach basilikalem Schema mit einem dreischiffigen Langhaus errichtet und erhielt ein breites Querhaus mit einem gestaffelten Ostschluss, wie das zu diesem Zeitpunkt als Mutterkloster fungierende Kloster Waldsassen in der Oberpfalz aufwies.

Heute ist nur noch die Hauptapsis erhalten, die Nebenapsiden wurden 1425 im Zusammenhang mit einem Umbau des Daches Kirche verändert und 1700 auf die heutige Länge verkürzt. Gleichzeitig wurden die Rundfenster im Altarraum nach unten verlängert, um eine bessere Beleuchtung des Hochaltares zu ermöglichen.



Noch in den späten 70er Jahren des 17. Jhs. erfolgten an den Klostergärten Umgestaltungs- und Erweiterungsmaßnahmen. Die Ausgestaltung der westlichen Stützmauer mit einer Balustrade ist für das Jahr 1676 belegt. Hier finden sich an den Postamenten zwischen den Balustern Engelsköpfe, Vasen und Fruchtgehänge, aber auch das Wappen des Auftraggebers, Abt Franz Wundert, und die Jahreszahl 1676. Darüber hinaus wurde entlang von Mauer und Balustrade ein mit Natursteinplatten belegter Spazierweg, eine „Altane", angelegt.

Im Westen vor dem Hauptportal und dem nördlichen Seitenschiff befand sich ursprünglich eine Vorhalle, deren Spuren sich noch im Mauerwerk abzeichnen. Vor dem Südseitenschiff, durch das die Konversen die Kirche betraten, gab es keine Vorhalle.

Mit der endgültigen Unterstellung Bronnbachs unter Maulbronn im Jahr 1166, änderten sich auch die Bauformen. Das ungewöhnliche, für den deutschsprachigen Raum seltene Einzelgiebeldach, das die Kirche seit ihrer Fertigstellung um 1220 überdeckte, ist als Reaktion auf diesen Wechsel zu sehen, da in Maulbronn ein solches Dach ebenfalls geplant war. Vorbilder für Kirchen mit Einzelgiebeldächern finden sich in Südfrankreich.

In den Jahren zwischen 1424 und 1426 wurde das Einzelgiebeldach aufgrund sich verschlechternder Witterungsverhältnisse im Spätmittelalter und der Schadensanfälligkeit der Konstruktion in das heute noch vorhandene Satteldach umgebaut. Der obere Teil des romanischen Dachreiters wurde hierfür abgetragen, höher aufgebaut und der obere Teil dann wieder aufgesetzt. Laut Ordensregel war den Zisterziensern die Errichtung von steinernen Türmen verboten, da sie als Hoheitszeichen galten und dies den Grundsätzen des Ordens widersprach. In Bronnbach wurde trotzdem ein Dachreiter aus Stein errichtet.





Innenraum

Die dreischiffige Basilika mit vier Jochen im Langhausmittelschiff weist im Inneren sehr ungewöhnliche Bauformen auf. Das Mittelschiff ist von einem Tonnengewölbe, in das Stichkappen für die Fenster eingeschnitten sind, überdeckt, die Seitenschiffe von einem halbierten Tonnengewölbe mit Stichkappen.

Bronnbach bildet im deutschsprachigen Raum das einzige Beispiel für diese Gewölbeart. Wie bei den Einzelgiebeldächern gibt es jedoch in Südfrankreich viele Vergleichsbeispiele für solche Gewölbe, unter anderem in den Zisterzienserklöstern Sénanque, Le Thoronet und Silvacane. Das Bandrippengewölbe über dem Altarraum hat hingegen sein Vorbild im Mutterkloster Maulbronn.

Im südlichen Querarm führt eine Treppe hinauf zum ehemaligen Dormitorium (Schlafsaal) der Mönche. Im östlichen Teil der Kirche, in etwa dort, wo auch heute das Chorgestühl steht, befand sich der romanische Chor der Mönche. Im Westen der Kirche, durch eine Chorschranke abgetrennt, stand das Chorgestühl der Laienmönche. Beide Gruppen der Klosterbewohner waren im täglichen Leben streng voneinander getrennt.

Die Errichtung der Kirche zog sich über einen langen Zeitraum hinweg, von 1157 bis 1222; als die Kirche geweiht wurde, betrug die Bauzeit über 60 Jahre. Der Bau wurde von Ost nach West errichtet, wobei verschiedene Planänderungen während des Bauverlaufs zu beobachten sind. Deutlich wird dies zum Beispiel an den Eingängen zu den Querhauskapellen, wo das Mauerwerk der Eingänge der Nordkapellen deutlich verspringt, was auf eine Neuvermessung der Kirche zurückzuführen ist. Am auffälligsten ist der Wechsel zwischen zweitem und drittem Joch im Langhaus von einer Gliederung aus Pfeilern und Säulen hin zu ausschließlich Pfeilern, die dann aber mit Arkadenunterzügen geschmückt wurden. Ein Zeichen für den nicht geradlinigen Bauverlauf sind auch die unregelmäßigen Sockel, auf denen die Säulen und Pfeiler stehen und deren Platz teilweise nicht für die Mittelschiffstützen ausreicht, so dass die Basen der Stützen darüber hinausragen. Dies lässt sich so interpretieren, dass die Fundamente der Kirche recht schnell bis nach Westen festgelegt wurden, bevor man sich im Klaren darüber war, wie der Kirchenbau im aufgehenden Mauerwerk endgültig aussehen sollte. Um 1180 wurde die Westfassade geschlossen, wobei aber im Inneren die Bauarbeiten noch weiter andauerten. Zum Abschluss der Bauarbeiten in der Kirche wurde die Apsis bereits erneuert, damit der wichtigste Teil der Kirche aktuelle Formen aufwies, wie sie zu Beginn des 13. Jahrhunderts in Würzburg verwendet wurden.

Der lange Zeitraum, über den sich die Errichtung hinzog, zeigt sich auch an vielen unterschiedlichen Details des Innenraums. Die Kapitelle im Osten der Kirche weisen spätromanische Polsterformen auf, wie sie in Würzburg vorkommen, das Langhaus und das Westportal Palmettenkapitelle der Zeit um 1180, deren Vorbilder am Wormser Dom zu finden sind. Die westlichen Arkaden des Langhauses sind mit Kelchknospenkapitellen geschmückt, die um 1220 zu datieren sind und am Bamberger Dom Vergleichsbeispiele haben. Die vielen Bauabschnitte der Bronnbacher Klosterkirche zeigen, dass zu Beginn des Baus nicht ein vorgefertigter Plan vorlag, sondern dass die Bauherren, d.h. die Bronnbacher Äbte, und die ausführenden Handwerker, hier zuerst zu nennen der Werkmeister, der die Koordination des Baus inne hatte, immer wieder neue Ideen einbrachten.

Für die Gestaltung in Bronnbach waren umliegende Großbauten von besonderer Bedeutung. Von dort holte man sich die Arbeitskräfte, die dann die dort erlernten Schmuckformen nach Bronnbach brachten. Mit diesen Großbauten setzte man sich aber auch intellektuell auseinander, definierten sie doch ein Anspruchsniveau, das in Bronnbach im Gliederungsreichtum unterboten wurde, womit die Klosterbewohner dem Ordensgebot nach Schlichtheit nachkamen. Wie jedoch auch viele andere Zisterzienserkirchen in ihrer Erscheinung nicht als arm zu bezeichnen sind, wie man das gemäß der Ordensstatuten erwarten würde, so verhält es sich auch in Bronnbach. Zwar reduziert die Bronnbacher Kirche Elemente der großen, gleichzeitig entstandenen Domkirchen, insgesamt ist sie jedoch kein „armer, einfacher" Bau. Besonders Gewölbe sind um 1200 in der Region keineswegs als Standard zu bezeichnen. Ebenso verhält es sich mit der Dachgliederung in Einzelgiebel. Es handelt sich hier um äußerst aufwändige Architektur.

Um 1500 wurde das Gewölbe mit der heute wieder freigelegten Blumen- und Rankenmalerei geschmückt. Auch die Rippen vortäuschende Bemalung in roter Farbe wurde zu diesem Zeitpunkt aufgebracht. Die Malereien waren unter einer weiß-grauen Fassung verborgen, die im 18. Jahrhundert aufgebracht worden war und die in den 1950er Jahren wieder entfernt wurde.


Die Umgestaltung der Klosterkirche

von Barbara Sipple M.A.

Im Laufe der Jahrhunderte wurde auch der Kircheninnenraum mehrmals umgestaltet. So zwangen gerade die Ereignisse des dreißigjährigen Krieges zu einer neuen Ausstattung der Kirche, denn die bis dahin bestandenen Altäre wurden allesamt zerstört. Am frühesten sind in diesem Zusammenhang die Kanzel, der Magdalenen-Altar und der Bernhard-Altar in bzw. um das Jahr 1642 zu datieren.

Die beiden Altäre sind Arbeiten aus Alabaster und stammen ursprünglich aus der Gästekapelle, die sich ehemals am nördlichen Klostertor befand. Etwa um 1670 fanden sie eine neue Aufstellung in der Hauptkirche: Der Magdalenen-Altar befindet sich heute in der inneren Kapelle des Nordquerhauses und der Bernhard-Altar in der äußeren Kapelle des Südquerhauses. Zunächst wurde die Zweiteilung der Kirche noch aufrechterhalten, so dass der Kreuzaltar von Zacharias Junckher d. J., datiert 1671, als Hauptaltar der Konversen in der Mitte des Langhauses vor der steinernen Chorschranke stand. Heute ist er im Querhaus aufgestellt.

Bald darauf entschloss man sich aber auf die alte Zweiteilung zu verzichten und die Kirche mit Hilfe einer „modernen" barocken Ausstattung zu einer Einheit zusammenzufassen: Für das Langhaus wurden um 1700 vier monumentale braun-goldene Altäre geschaffen. Ihre gewundenen goldenen Säulen flankieren die jeweiligen Altargemälde und tragen gesprengte Giebel, in deren Mitte sich die heilige Dreifaltigkeit und Abtswappen finden lassen. Der Gnadenaltar, der sich heute im nördlichen Seitenschiff befindet, datiert in das Jahr 1705 und war ursprünglich nicht in der Kirche sondern im Klosterspital aufgestellt. 1712 schuf Balthasar Esterbauer den heutigen Hochaltar. Seine monumentalen Heiligenfiguren rahmen die Darstellung der Maria Himmelfahrt von Oswald Onghers.

Im Rokoko entstanden weitere Stücke der Kirchenausstattung: Das Chorgestühl wurde in den Jahren 1777 bis 1779 gefertigt und ist eine überaus kunstvolle Arbeit des Klosterbruders Daniel Aschauer. Weiterhin befindet sich in der inneren Kapelle des Südquerhauses ein Altar von 1781, der Judas-Thaddäus geweiht wurde. Etwas später, nämlich 1791, datieren die zwei Altäre neben dem Chorgestühl, der eine wurde dem Hl. Carl Borromäus, der andere dem Hl. Nepomuk geweiht.

Dass die Zeit des Barock und Rokoko nun endgültig vorbei ging, davon zeugen die neugotischen Beichtstühle und die zweigeschossige Westempore aus dem Jahr 1795. Auch der Eingang zur Sakristei und die Seitentüren der Kirche weisen klassizistische Stilmerkmale auf. Zuletzt ist noch die Orgel aus dem Jahr 1895 zu nennen. Es ist eine romantische Kegelladenorgel mit 25 Registern und einem neuromanischem Gehäuse, die der Orgelbauer Schlimbach aus Würzburg schuf.



kloster-bronnbach-logo-bogen.png