Der Kreuzgang

von Dr. Katinka Häret-Krug



Der Kreuzgang diente zum einen als Verbindungsgang zwischen den einzelnen Teilen der Klausur. Aber auch religiöse Handlungen, wie die tägliche Lesung, die Collatio, oder die Fußwaschung fanden dort statt. Dies geschah im an die Kirche anschließenden Nordflügel, wo im Mittelalter eine Bank vorhanden war, auf der die Mönche Platz nehmen konnten.

Im Nordflügel zeugt in Bronnbach noch ein Ausgussbecken von den dort vorgenommenen Fußwaschungen, in das das gebrauchte Wasser geschüttet wurde. In der Ecke zwischen Nord- und Ostflügel ist eine Nische vorhanden, das Armarium, in dem die liturgischen Bücher aufbewahrt wurden.



Bereits im 12. Jahrhundert, vor dem heute erhaltenen frühgotischen Kreuzgang, war schon ein erster Vorgängerkreuzgang geplant worden. Im Ostflügel weist ein Gesims an der Rückwand darauf hin, das von der heute vorhandenen Säulengliederung überschnitten wird. Das Gesims nimmt die Form der Portale auf und diente als Auflager für ein geplantes Tonnengewölbe. Wie schon für das Gewölbe in der Kirche gibt es hierfür Vergleichsbeispiele in südfranzösischen Zisterzienserklöstern, z.B. Sénanque und Le Thoronet.

Der Kreuzgang war mit einem Flachdach versehen, eine anfangs angedachte Einzelgiebelgliederung wie in der Kirche wurde nicht ausgeführt. Diese geplante Einzelgiebelgliederung lässt sich am Nordflügel verfolgen, wo Wasserspeier aus der Wand ragen, im Ost- und Westflügel wurden noch die Vorlagen hierfür ausgeführt, jedoch blieben diese auf halber Höhe unvollendet, was für eine Umplanung während des Bauverlaufs spricht.

Auch in Maulbronn war ein Flachdach über dem Kreuzgang zumindest geplant. Weitere Vergleichsbeispiele finden sich ansonsten wieder nur an den schon genannten Bauten in Südfrankreich.

Das Kreuzrippengewölbe nimmt an der Rückseite auf die bereits vorhandenen Portale und Fenster Rücksicht, so dass vor allem im Ost- und Südflügel sehr unregelmäßige Jochgrundrisse eingeführt wurden. Die Kreuzgangarkaden zum Innenhof sind als Triforen (Dreifenstergruppen) gestaltet. Ganz ähnliche Fenster zeigt die Burg Wertheim oder auch das Portal der Burg Krautheim an der Jagst. Diese Vergleichsbeispiele beweisen, dass bestimmte Formen nicht an bestimmte Bauaufgaben gebunden waren, sondern dass ein reger Austausch zwischen unterschiedlichsten Baustellen bestand. Eine Besonderheit stellt die Verglasung des Kreuzgangs bereits in der ersten Hälfte des 13. Jahrhunderts dar. Der Bronnbacher Kreuzgang ist damit einer der ersten überhaupt, bei dem sich der Einsatz von Glasscheiben nachweisen lässt. Wie in der Kirche erfolgte die Verglasung von außen. Normalerweise setzte man im Mittelalter die Scheiben von Innen gegen die Fenstergewände. Aber auch in Maulbronn lässt sich dasselbe Verfahren in Kirche und Kreuzgang nachweisen.

Der frühgotische Kreuzgang im Nord- und Ostflügel, der sich aufgrund der stilistischen Einordnung des Bauschmucks zwischen 1210 und 1240 datieren lässt, weist in den Kapitellen und Konsolen vielfältige Schmuckformen auf. Darunter sind auch einige Stücke, die figürlich ausgestaltet sind und verschiedene Fabelwesen zeigen. Die von Bernhard von Clairvaux geforderte Schmucklosigkeit wurde in Bronnbach somit nicht eingehalten.

Als die Kirche zu Beginn des 15. Jahrhunderts das Satteldach erhielt, wurde auch das Dach des Kreuzgangs verändert und ein Pultdach gebaut. Der Kreuzgangsüdflügel wurde in seinem westlichen Teil ebenfalls verändert, der östliche Teil des Südflügels wurde laut Schriftquellen 1502/03 umgebaut und erhielt neue Maßwerkarkaden, die das typische, reichgeschwungene Maßwerk der Zeit um 1500 zeigen. Der Kreuzgangwestflügel wurde 1608 neu überwölbt, wie die Inschrift auf einem Gewölbeschlussstein verkündet.

Da der Kreuzgang wohl schon um 1500 statische Probleme aufwies, – die Neigung der Gewölbe nach außen lässt sich besonders gut im Ostflügel verfolgen – wurde der Kreuzgarten zwischen 1517 und 1617 aufgeschüttet. Allerdings verschärfte dies die Probleme zusätzlich, da das Mauerwerk seitdem ständig feucht ist. Im 17. Jahrhundert erhielt der Kreuzgang wieder ein Flachdach und diente als Umgang im Obergeschoss.



Die Umgestaltung des Kreuzgangs

von Barbara Sipple M.A.

Zwischen 1600 und der ersten Hälfte des 18. Jahrhunderts wurde über dem Kreuzgang eine umlaufende Terrasse gestaltet, die von einer Laube überdacht war und so die Räume im Obergeschoss zusätzlich verband.



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