Das Orangerie-Gewächshaus

Restaurant · Biergarten · Klostercafé


von Dr. Verena Friedrich


Im Jahre 1737 war ein neues Glashaus errichtet worden. Ob es sich dabei möglicherweise um einen Vorgängerbau des heute noch stehenden Orangerie-Gewächshauses handelt, ist nicht bekannt. Ein deutlich größerer Bau wäre aber durchaus denkbar, denn der Bestand an Orangeriegewächsen hatte in den Jahren zuvor stetig zugenommen. Auch von Stellagen für das Glashaus ist in den Rechnungsbüchern die Rede.

Auch in den Folgejahren wurde der Bestand an Zitronen- und Pommeranzenbäumen sukzessive erweitert. Die Pflanzen kamen teilweise als Geschenke aus Orangerien des Adels, etwa aus der Orangerie der Grafen von Stadion auf der Hallburg oder der Orangerie der Herren von Fechenbach in Laudenbach. 
Schließlich wurde 1774, unter Abt Ambrosius Balbus (reg.1752–1783), nördlich des Abteigartens ein neues Orangerie-Glashaus errichtet und in der Folge der davor liegende Glashausgarten mit einer Mauer umfriedet.



Noch in den späten 70er Jahren des 17. Jhs. erfolgten an den Klostergärten Umgestaltungs- und Erweiterungsmaßnahmen. Die Ausgestaltung der westlichen Stützmauer mit einer Balustrade ist für das Jahr 1676 belegt. Hier finden sich an den Postamenten zwischen den Balustern Engelsköpfe, Vasen und Fruchtgehänge, aber auch das Wappen des Auftraggebers, Abt Franz Wundert, und die Jahreszahl 1676. Darüber hinaus wurde entlang von Mauer und Balustrade ein mit Natursteinplatten belegter Spazierweg, eine „Altane", angelegt.

Die nördliche Begrenzungsmauer des Abteigartens dürfte spätestens zu diesem Zeitpunkt entfernt und durch eine Balustrade ersetzt worden sein. Dies beweist nicht zuletzt das Eingangstor an der Nordseite des Abteigartens, das die Jahreszahl 1774 und die Initialen des Abtes trägt. Das Gewächshaus erhielt nun, vom Abteigarten aus gesehen, die Funktion eines Blickfangs („point-de-vue"). Der für Glashäuser eher unübliche repräsentative Standort am Zugang zu Kirche und Abtei ist möglicherweise bereits vom Geist der Aufklärung getragen und dem Interesse an der botanischen Wissenschaft geschuldet. Nicht die Qualität der Architektur diente der Repräsentation, sondern die im Glashaus verwahrte Sammlung seltener Gewächse.

Mit der Bemalung der großen Hohlkehle wurde auch ein künstlerischer Akzent gesetzt und ließ das Orangerie-Gewächshaus in Bronnbach eine herausragende Sonderstellung einnehmen. Das Format von 20 m Breite und 4,5 m Höhe ermöglichte die Verbildlichung einer paradiesischen Landschaft, losgelöst von Raum und Zeit. Während sich am linken Bildrand unter einer Kolonnade die Menschen im Winter die Hände wärmen, treffen sich am rechten Bildrand Musiker zu einem sommerlichen Konzert. Puttengruppen versinnbildlichen die Jahreszeiten, und exotische Tiere sowie Vertreter der vier Kontinente huldigen den beiden Gartengöttinnen Flora und Pomona, die neben der mittig aufragenden Pyramide sitzen. Leider geht aus den erhaltenen Archivalien nicht der Name des Künstlers hervor, ebenso wenig die genaue Datierung seines Werkes. Den einzigen Anhaltspunkt gibt die in der Mitte dargestellte Pyramide, denn sie zeigt das Wappen des Abtes Ambrosius Balbus auf, der 1794 in Bronnbach verstarb. Von ihm ist bekannt, dass er sowohl ein großer Musik- als auch Gartenliebhaber war.

Vielleicht drückt sich in den sehr genau wiedergegebenen exotischen Pflanzen der Besitzerstolz des Abtes aus. Bei den beiden Kakteen, links neben der Pyramide, handelt es sich offenkundig um die Gattung Cereus, die damals sehr häufig in Orangerien gezogen wurde. Bei den zu beiden Seiten der Pyramide aufragenden Bäumen mit den auffallenden Früchten könnte es sich um die Fruchtansätze von Bananenpflanzen handeln. Mit den dargestellten Balustraden, Brunnen und Urnen sowie den Puttengruppen ist zweifellos eine formale Anbindung an den Abteigarten angestrebt worden.




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