Der Saalgarten

von Dr. Verena Friedrich



Südlich des Refektorium- und Festaalbaus der Abtei Bronnbach – durch einen breiten von Westen nach Osten ansteigenden Weg von diesem getrennt – erstreckt sich der in zwei Terrassen angelegte sogenannte „Saalgarten". Er ist ausgezeichnet durch zwei seitliche einachsige Pavillons, eine dreiachsige Grotte an der Futtermauer der Terrassenstufe, und einen die Mittelachse am Ende des Gartens akzentuierenden dreiachsigen Pavillon.

In der älteren Literatur seit dem 19. Jh. als „Saalgarten" bezeichnet, wird er erstmals von Stephan Beissel beschrieben.

In dessen Chronik der Zisterzienserabtei Bronnbach heißt es: „Vor diesem Bau ist im ansteigenden Terrain mit viel Geschick eine mit Blumenbeeten, Rasenplätzen, Balustraden, Steinfiguren und Gartenhäuschen ausgestattete Anlage hergestellt.

Wie schon Esther Mühlbayer in ihrer Gartendenkmalpflegerischen Studie richtig bemerkte, hing die Anlage des Südgartens mit der Errichtung des Sommerrefektoriums und des darüberliegenden Josephsaals unter Abt Joseph Hartmann (1699 – 1724) zusammen.



Es ist sogar davon auszugehen, dass die ersten Planungen zu dieser Gartenanlage mit der Konzeption des Saalbaues einhergingen. Hierauf lässt auch die gemalte Klostervedute an der südlichen Lamberie des Josephsaals schließen, die den – zum Zeitpunkt ihrer Entstehung – noch in der Planung befindlichen „Saalgarten" zeigt.

Dabei folgte man mit der Anlage dieses Gartens genau der zeitgenössischen Architekturtheorie, die den Festsaal mit der Möglichkeit eines Aussichtsplatzes bzw. Gartens und eines Belvederes verband.

Die Planung dieses Teilgartens stammt also noch aus der Regierungszeit des Abtes Joseph Hartmann, der die Gesamtleitung der Anlage dieses Terrassengartens in die Hände des aus Wien stammenden und in Mergentheim ansässigen Architekten und Bildhauers Franz Joseph Roth legte. Der Umstand, dass Roth mit dem Entwurf des neuen Gartens beauftragt wurde zeigt, dass dieser Garten als ein Prinzipalstück betrachtet wurde, denn die Lage dieses Gartenteils – als Pendant des von Roth ausgestatteten repräsentativen Saalbaus – erforderte selbstredend eine besondere Behandlung und auch die Ausstattung der Sommerhäuser mit Stuckaturarbeit und Grottenwerk hatte Joseph Roth übernommen.



Die barocke Planung

Berücksichtigt man die Beziehung der Abtei Bronnbach zum Bistum Würzburg und insbesondere die persönliche Verbindung zwischen Abt Joseph Hartmann und dem damaligen Fürstbischof von Würzburg, Johann Philipp Franz von Schönborn, so lassen sich – bezüglich der zeitgleichen Planungen des Festsaalbaues und der bischöflichen Residenz in der Bischofsstadt – immer wieder Parallelen finden.

Auch nachdem die beiden Kirchenfürsten im Jahre 1724 verstorben waren, blieb die enge Verbundenheit von Bronnbach zu Würzburg auch unter dem nachfolgenden Abt, Engelbert Schäffner (1724-1752), erhalten. Nicht nur dass der Bruder des Bildhauer-Architekten Roth als Maler am bischöflichen Hof in Würzburg tätig war, auch benötigte Fachleute, etwa der fürstbischöflich würzburgische Hofbrunnenmeister Martin Adam Christian Dümler, kamen aus der Bischofsstadt nach Bronnbach. Sicherlich war dies nicht zuletzt den Verbindungen zu danken, die Abt Engelbert Schäffner in Würzburg knüpfen konnte, als er vor seiner Abtswahl dort den Bronnbacher Hof verwaltete.


Grotte und Casino

Schon Leon Battista Alberti (1452) empfahl, in den Gärten kühle, feuchte Grotten anzulegen und im 16. bis 17. Jahrhundert gehörten Nischen an Futtermauern, Wasserkünste sowie mit unbehauenem Naturstein (z. B. Tuff) und Muscheln ausgekleidete Architekturen zum festen Programm größerer Gärten.

Mit der Grotte unlösbar verbunden ist das Element Wasser, das in den Bronnbacher Gärten neben Springbrunnen und ruhigen Wasserflächen nun eine neue Rolle spielen konnte.

Die Grotte in Bronnbach folgt einem Typus, wonach eine dreiteilige Toranlage in drei nur durch schmale Durchgänge miteinander verbundene Grottenräume führt. Im mittleren Grottenraum befand sich ein Brunnenbecken, das durch eine mit Bleirohren verlegte Wasserleitung gespeist wurde, die man mit Hähnen aus Messing regulieren konnte.

Seit dem 16. Jh. wurde es üblich, um oder oberhalb einer Grotte ein kleines Gartenhaus, ein Casino zu errichten. Als Prototyp hierfür – wenn auch in der Ausführung stark abweichend – gilt das Casino della Grotta, das Giulio Romano im Garten des Palazzo del Tè in Mantua erbaute. In Bronnbach kam es letztlich jedoch zu einer räumlichen Trennung von Grotte und Casino. Diese geht wohl auf Überlegungen zurück, wie die Verlängerung der Mittelachse optisch erreicht werden könne.


Die Pavillonbauten

Möglicherweise bezog man sich bei der Gestaltung mit Pavillonbauten auch auf Planungen für den Ostgarten der Würzburger Residenz.

Dort sollte der mit dem Festsaal in einer Achse liegende Gartenteil mit Terrassen und Rampen bis auf die Höhe der Bastion geführt werden. Vergleicht man die Dimensionen zwischen der Würzburger Residenz und dem Klostergebäude in Bronnbach so kommt man hinsichtlich des sich anschließenden Gartens auf eine ähnliche Proportionsproblematik – ansteigendes Gelände und zu geringe räumliche Tiefe. Natürlich ist dies in Bronnbach deutlicher spürbar.


Gartenbesatz

Entsprechend seiner exponierten Lage musste der „Saalgarten" auch mit allem Zierrat versehen worden sein. Belegt ist die mittige Wasserachse ober- und unterhalb der Grotte, sowie die reiche Ausstattung mit Skulpturen und Balustraden. Letztere dürften auch von Blumentöpfen bekrönt gewesen sein.

Man könnte sich hier sowohl die älteren Bepflanzungen, wie bei Furttenbach erwähnt, mit Nelken und Rosmarin vorstellen, aber es kommen auch Zwergobstbäumchen dafür in Frage.

Auch der in den Archivalien versteckte Hinweis darauf, dass 1750 zwei Tage lang im neuen Garten Steine gesetzt wurden, um darauf Kübel stellen zu können, lässt auf einen Garten mit Kübelpflanzen schließen. Möglicherweise nutzte man den Terrassengarten auch als Aussetzgarten für die in den Jahren stetig ergänzten Orangeriebestände des Klosters.

Die Mauern schließlich könnten für Spalierobst genutzt worden sein, das auch in Ziergärten des Barock durchaus häufig Verwendung fand.



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