1153 – 1803

Bronnbach und der Zisterzienserorden


Kloster Bronnbach entstand Mitte des 12. Jahrhunderts, als Niederadlige aus dem Taubergebiet und dem angrenzenden Odenwald Grundbesitz, das „castrum Brunnebach", dem Zisterzienserorden als Fundus für eine Klosterneugründung übergaben.

Auslöser für die Stiftung war vermutlich das predigende charismatische Ordensoberhaupt Bernhard von Clairvaux, vielleicht aber auch eine allgemeine Begeisterung für diesen noch jungen Orden. Der dem Orden übereignete Besitz, für eine Zisterzienseransiedlung eher untypisch auf der Höhe über dem unzugänglichen Taubertal gelegen, sollte Ausgangspunkt für das über 650-jährige Wirken des Ordens im unteren Taubertal werden.
Nur wenige Jahre nach dieser ersten Stiftung schenkte Erzbischof Arnold von Mainz dem entstehenden Kloster den im Talgrund der Tauber gelegenen Weiler „Brunnenbach", und ermöglichte damit den Mönchen den Umzug von der Höhe in das für eine Klosteransiedlung günstigere, wasserreiche Tal. Ursprünglich sollte nach den Wünschen der Stifter das 1138 gegründete Kloster Maulbronn den für eine Neugründung erforderlichen Abt und den aus 12 Mönchen bestehenden Gründungskonvent stellen. Der Maulbronner Konvent sah sich zu dieser Zeit jedoch nicht in der Lage, eine entsprechende Personenzahl für ein Tochterkloster zu entbehren. Man vereinbarte daher, dass das oberpfälzische Kloster Waldsassen den Gründungskonvent stellt, Maulbronn aber trotzdem als Mutterabtei Bronnbachs anerkannt werden sollte.

Die Anfangsjahre des Klosters im noch nicht erschlossenen, hochwassergefährdeten Taubertal, waren sicherlich hart und beschwerlich. Hinzu kamen ordensinterne Auseinandersetzungen, da der Gründungsabt Reinhard die Unterstellung Bronnbachs unter die Aufsicht des Klosters Maulbronn zu verhindern suchte. 1167 gab er aber sein Amt auf, die Mutterabtei Maulbronn entsandte einen neuen Abt sowie weitere Mönche zum Aufbau des klösterlichen Lebens.

Bis zur Reformation blieb Maulbronn damit das Mutterkloster Bronnbachs, 1573 gingen diese Rechte aufgrund der politischen und konfessionellen Entwicklung an die Zisterzienserabtei Ebrach über. Dem Gedeihen der Klosterneugründung förderlich waren die zahlreichen Dotationen und Schenkungen, die im Verlauf der Jahrhunderte an dieses gelangten. Viele Adelige beschenkten das Kloster mit Grundbesitz, Zinseinkünften und Herrschaftsrechten in der näheren und weiteren Umgebung. So gelang es Bronnbach, Grangien, d. h. in Eigenregie betriebene Höfe, zu errichten, deren Erträge zum Unterhalt des Klosters beitrugen. Bemühungen, umfangreichere Besitzkomplexe in bestehenden Dörfern ebenfalls in Grangien umzuwandeln und die Einwohner in Folge aus der Gemarkung auszusiedeln, scheiterten allerdings.
Die wirtschaftsgeschichtliche Entwicklung ging aber auch bei den Bronnbacher Zisterziensern, deren ursprüngliches Ziel eine geistliche und wirtschaftliche Autonomie ohne enge Verflechtung mit der sie umgebenden Welt war, hin zur Pacht und Geldwirtschaft. Das Kloster verpachtete daher v. a. weiter entfernt liegenden Grundbesitz und zog nur noch die Erträge von demselben ein, ohne diesen mit eigenen Kräften zu bewirtschaften. Für den Absatz der erzeugten Produkte bediente sich das Kloster seiner in Wertheim, Würzburg, Frankfurt, Aschaffenburg und Miltenberg gelegenen Stadthöfe, von denen sich vor allem der Würzburger Hof zu einem Verwaltungszentrum für den in seiner Nähe gelegenen Klosterbesitz entwickelte. In mehreren umliegenden Orten konnte das Kloster zudem die Ortsherrschaft erlangen, womit ein – wenn auch sehr kleines – Klosterterritorium um Bronnbach herum entstand. Ein Großteil dieser Besitzungen wurde auch nach den Auseinandersetzungen der Reformationszeit gehalten und blieb bis zur Auflösung des Klosters 1803 unter dessen Herrschaftsbereich. In Bronnbach selbst entstand innerhalb der Klostermauern ein umfangreicher Komplex von Gebäuden, die sowohl geistlichem Leben als auch wirtschaftlicher Tätigkeit dienten.
Noch heute teilt sich das Klosterareal, optisch verstärkt durch die im 19. Jh. mitten durch das Klostergelände geführte Taubertalstraße, in zwei Teile – einen nahe der Tauber gelegenen Wirtschaftsbereich mit Mühle, Viehställen und Scheunen sowie das etwas erhöht liegende Klosterareal mit der Kirche und den Klausurgebäuden.

 

Markantestes Gebäude der mittelalterlichen Klosteranlage war die 1222 fertig gestellte Kirche, die der vom Zisterzienserorden besonders verehrten Gottesmutter Maria geweiht war.
An das südliche Querhaus schlossen sich eine Sakristei, ein Kapitelsaal für die Versammlungen der Mönchsgemeinschaft, ein Parlatorium sowie ein Arbeitsraum für die Mönche an. Im ersten Stock dieses Ostflügels befand sich der Schlafsaal der Mönche. Ging man im Uhrzeigersinn um den Innenhof weiter, kam man in einen Wärmeraum, in dem heute noch der romanische Kamin zu sehen ist, das Mönchsrefektorium und die Küche. Der Westflügel der Anlage war den Konversen, den Laienbrüdern des Klosters vorbehalten und beherbergte deren Speisesaal und Schlafräume. Hier befanden sich auch die Lagerräume des Klosters. All diese Bauteile entstanden bereits in romanischer Zeit und haben sich auf Erdgeschossniveau größtenteils bis heute erhalten.
Der Kreuzgang der Klosteranlage wurde im Anschluss an die Fertigstellung der Hauptgebäude im 13. und 14. Jahrhundert errichtet. Umbaumaßnahmen großen Stils lassen sich für die folgenden Jahrhunderte nachweisen. In den Klosterchroniken wird die Errichtung bzw. der Umbau der großen steinernen Tauberbrücke, des Sommerrefektoriums und des Brunnenhauses mit Bibliothek erwähnt,was sich anhand von Bauinschriften verifizieren lässt. Die Kirche erhielt um 1425 eine völlig neue Dachkonstruktion, die wiederum etwa 60 Jahre später Stützpfeiler an der Nordseite der Klosterkirche zur statischen Festigung des Bauwerks erforderlich machte. Rings um die Klausurgebäude entwickelte sich innerhalb der Klostermauern ein bebautes Areal mit einer separaten Kirche für die Bevölkerung, einem Abtsgebäude, Gästehaus, Krankenhaus, Mühle, Bäckerei, Schreinerei, Brauerei und diversen Viehställen und Lagerräumen.

Der heutige bauliche Eindruck bei einer Besichtigung Bronnbachs wird maßgeblich vom Barock geprägt. Den Anfang barocker Umbaumaßnahmen machte der Konventbau (Ostflügel), dessen Obergeschoss1674/75 abgebrochen und neu errichtet wurde. Ihm folgte der Neubau eines Krankengebäudes sowie der Umbau und die Vergrößerung des Refektoriums mit Schaffung eines Festsaals.
Der Neubau eines Gasthauses sowie der heute parallel zur Taubertalstraße liegenden Gebäude erfolgte etwa zur gleichen Zeit. Wie es die Potentaten des Barocks im Allgemeinen liebten, so legte man auch im Zisterzienserkloster Bronnbach, das von seinen Ordensursprüngen eher der Schlichtheit und Einfachheit verpflichtet war, großen Wert auf Repräsentation. Die Errichtung eines Festsaals mit dazugehörigem Saalgarten, flankiert von kleinen, lauschigen Gartenhäuschen und die Anlage eines Abteigartens mit einer prachtvollen Orangerie, deren Sonnenfang allegorische Darstellungen der Jahreszeiten und Kontinente trägt, zeugen noch von diesem Anspruch.


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