1986 bis heute

Bronnbach und der Main-Tauber-Kreis


Der Unterhalt der ca. 6 ha Fläche umfassenden Klosteranlage mit ihren zahlreichen, zuletzt größtenteils leer stehenden Gebäuden, bedeutete für das Fürstenhaus Löwenstein-Wertheim-Rosenberg eine große finanzielle Belastung, hatten diese doch allein Bronnbach zu erhalten. Man kann daher von einem Glückstag für Bronnbach sprechen, als sich der Kreistag des Main-Tauber-Kreises 1984 entschloss, die gesamte Anlage (mit Ausnahme einzelner privater Wohngebäude) für 1,9 Millionen Mark zu erwerben.

1986 wurde der Kaufvertrag mit dem Fürstenhaus besiegelt und der Landkreis konnte daran gehen, den alten Gemäuern neues Leben einzuhauchen. Da aber selbst ein Landkreis nicht über unerschöpfliche, nie versiegende Geldquellen verfügt, war die Mitfinanzierung der notwendigen Renovierungs- und Umbaumaßnahmen durch das am Beispiel Bronnbach entwickelte Denkmalnutzungsprogramm des Landes unabdingbare Voraussetzung für deren Gelingen.
Erste Baumaßnahme unter der Regie des Landkreises war der Umbau des ehemaligen Krankenbaus des Klosters. In diesen 1705 errichteten Bau, der als multifunktionales Gebäude die Krankenstation, die Bibliothek und einen Versammlungssaal für den Konvent enthalten hatte, waren nach 1803 die in Bronnbach verbliebenen Mönche eingezogen. Mit dem Ausbau der wirtschaftlichen Aktivitäten der Brauerei und dem damit verbundenen erhöhten Platzbedarf, wurden die Räume dann für Zwecke der Brauerei genutzt. Malzdarre, Braukessel, Gersten- und Bierlager zogen ein bzw. wurden um den bestehenden Baukörper herum angebaut.

Als neuer Nutzer für diese Liegenschaft konnte das Land Baden-Württemberg gewonnen werden, das dafür das bisher in Wertheim ansässige Staatsarchiv, welches aus den 1978 vom Land angekauften Archiven der beiden Linien des Hauses Löwenstein-Wertheim sowie deren gemeinschaftlichem Archiv besteht, nach Bronnbach verlegen wollte. Mit diesem Umzug wurde auch eine neue, bundesweit einmalige und viel beachtete Konstruktion im Archivbereich geschaffen: der Archivverbund Main-Tauber. Drei Partner, das Land Baden-Württemberg, die Stadt Wertheim und der Main-Tauber-Kreis, betreiben gemeinsam eine Einrichtung, in der das Staatsarchiv Wertheim, das Stadtarchiv Wertheim und das mit der Gründung des Verbunds neu geschaffene Archiv des Main-Tauber-Kreises, dem sich zwischenzeitlich vier weitere Kommunalarchive angeschlossen haben, unter einem Dach vereinigt sind. Mit dem Einzug des Archivverbunds 1992 kehrten zugleich die im Staatsarchiv verwahrten Archivalien des Klosters Bronnbach an ihren ursprünglichen Entstehungsort zurück. Die Forschungsgemeinschaft für technisches Glas e.V. war Träger der zweiten verwirklichten Neuansiedlung in Bronnbach.

Diese 1951 von kleinen und mittelständischen Wertheimer Glasbetrieben gegründete Einrichtung, die zunächst die verbandsmäßige Betreuung der Mitgliedsfirmen zum Ziel hatte, fand ihre Aufgabe bald in der Erforschung und Entwicklung neuer Produktionsmethoden in der Glasbearbeitung. In den Anfangsjahren in Räumen des Wertheimer Glaswerks untergebracht, konnten später eigene Räume und schließlich ein Neubau in Wertheim bezogen werden. Beengte räumliche Verhältnisse machten in den 1980er-Jahren die Suche nach einem neuen Domizil notwendig und man entschied sich seitens der FtG für die Nutzung eines ehemaligen Wirtschaftsgebäudes in Bronnbach. Dieser parallel zur Tauberbrücke gelegene Bau war früher ein der Milchviehhaltung dienender Schweizereistall, der bereits seit geraumer Zeit leer stand. Mit dem Einzug der FtG im Jahr 1993 wurde aus diesem landwirtschaftlichen Gebäude eine High-Tech-Einrichtung, die modernste Technik unter ihrem Dach beherbergt. Nach ersten Befürchtungen, mit der im Jahr 1995 erfolgten Auflösung der FtG den zweiten Neunutzer bereits nach kurzer Zeit wieder zu verlieren, konnte mit der Eingliederung der FtG in die Fraunhofer-Gesellschaft der Standort Bronnbach erhalten werden. Das in Würzburg ansässige Institut für Silicatforschung verlegte einen Teil seiner Aktivitäten ins Taubertal, wo die Forscher in den Bereichen Glasprüfung und -beschichtung, Geräte- und Apparatebau sowie Kulturgüterschutz tätig sind. Eine bereits in Bronnbach existierende Einrichtung nutzte ab 1994 den wiederhergestellten Konventbau – der Dominikanerorden. Unter dem Stichwort „Sommerkloster" fanden bereits seit 1985 in den Sommermonaten unter der Regie von Dominikanern Gottesdienste, Einkehrtage u. ä. in Bronnbach statt. Nach dem Entschluss, eine feste Ordensniederlassung zu gründen, wurde ab 1990 die Seelsorgestelle in Bronnbach von einem Dominikanerpater betreut, der zusammen mit seinen Mitbrüdern und am Ordensleben interessierten Laien 1994 seinen Einzug im Konventbau hielt. Das neue Kloster fußte damit im wahrsten Sinne des Wortes auf dem alten Fundament der Zisterzienser, ist doch im Erdgeschoss des Gebäudetrakts der romanische Kapitelsaal noch erhalten. Küche, Gästeräume und Klausur befinden sich in den Räumen des ehemaligen Dormitoriums der Mönche, das im 19. und 20. Jh. die Verwaltung der Brauerei sowie Wohnräume beherbergt hatte. Leider kam es wegen Personalmangels nicht zu einer dauerhaften Niederlassung des Dominikanerordens in Bronnbach.

Von 1996 bis September 2000 war der Konventbau verwaist. Seitdem beleben jedoch Patres der „Missionare von der Heiligen Familie" das Kloster und leisten zugleich wertvolle Seelsorgerdienste in Bronnbach und in den Nachbarorten Reicholzheim, Dörlesberg, Külsheim, Eiersheim, Uissigheim sowie Hundheim. Dank Landrat i. Rente Georg Denzer und dem damaligen Domkapitular und heutigen Erzbischof Dr. Robert Zollitsch aus Freiburg (Erzdiözese Freiburg) konnten die Patres der genannten Kongregation aus Posen (Polen) für Bronnbach gewonnen werden.

Mit der Abteilung für ländliches Kulturgut, einer Außenstelle des Grafschaftsmuseums der Stadt Wertheim, ist 1995 der vierte „Fremdnutzer" in eines der landkreiseigenen Klostergebäude eingezogen. Für die Darstellung der „Verstädterung der Dörfer im Arbeits- und Lebensbereich in der Zeit von ca. 1860/70 bis 1940/60" – so der Konzeptionstitel des Museums – wurde die sog. Große Fruchtscheuer adaptiert, die mit ihrem Raumangebot der Ausstellung großformatiger Gerätschaften sehr entgegenkommt. Dieser markante Bau mit seinem der Straßenfront zugewandten Treppengiebel diente einst als Fruchtspeicher, Heu- und Strohlagerraum des bis 1972 bestehenden landwirtschaftlichen Hofguts Bronnbach. Von 1976 bis 1994 von der Winzergenossenschaft Reicholzheim als Weintanklager angepachtet, können heute landwirtschaftliche Geräte aller Art dort besichtigt werden.

Der Landkreis hat in den letzten Jahren neben diesen Einzelgebäuden auch die einer allgemeinen Nutzung zugänglichen Gebäudeteile und Innenausstattungen instand gesetzt, die der Öffentlichkeit bei Klosterführungen gezeigt werden. Allen voran ist hier die im spätromanischen Stil errichtete Klosterkirche zu nennen. Betritt man das Kirchenschiff, so fallen als Erstes die von Balthasar Esterbauer und Oswald Onghers gestalteten Barockaltäre des Hauptschiffs und der Hochaltar auf. Weitere Barock- und Rokokoaltäre finden sich in den Seitenschiffen und an der Seitenfront des Chorgestühls.

Dieses holzgeschnitzte Werk wurde nach dem Beispiel des Chorgestühls im Mainzer Dom von einem Bronnbacher Klosterbruder geschaffen. Über dem Hauptportal der Kirche thront die von dem Würzburger Orgelbauer Martin Joseph Schlimbach 1896 errichtete Orgel, deren Klang man bei diversen Konzerten erleben kann. Musikalische Genüsse werden auch jeden Sommer bei der Kreuzgangserenade geboten, die – wie der Name schon sagt – im Innenhof des Kreuzgangs stattfindet und durch ihre besondere Atmosphäre großen Anklang findet. Ein neuer „Konzertsaal" wurde mit dem Umbau des ehemaligen Refektoriumtrakts geschaffen. Die bei den Renovierungsarbeiten zu Tage gekommenen qualitätvollen Deckenfresken haben dem Saal den Namen Bernhardsaal eingebracht, analog zu dem darüber liegenden, Josephsaal genannten Festsaal mit Motiven der biblischen Josephserzählung. Der oben liegende Saal kann aufgrund seiner prächtigen, leider einer Beheizung nicht zugänglichen Bemalung nur im Sommer für Veranstaltungen genutzt werden. Im unteren Saal ist es jedoch möglich, in Kombination mit den angrenzenden Räumlichkeiten, der ehemaligen Küche und dem Speisesaal der Laienbrüder, festliche Veranstaltungen, Konzerte und Tagungen das ganze Jahr hindurch abzuhalten; zusammen mit den in den Klosterinnenhöfen angelegten Gartenanlagen ein festlicher Rahmen für besondere Gelegenheiten.

Folgende Entwicklungen gab es beim Kloster ab 2005:

  • 2005 eröffnete der Heimatverein Reicholzheim seine Museumsbrennerei
  • 2005 wurden die Orangerie als Veranstaltungs- und Tagungsraum und
  • 2006 das ehemalige Bursariat zum Gästehaus umgebaut.
  • 2007 wurde das Internationale Zentrum für Kulturgüterschutz und Konservierungsforschung (IZKK) gegründet und im Fraunhofer Institut untergebracht
  • 2007 wurde die Vinothek Taubertal eröffnet.
  • 2009 wurde der neugestaltete Kirchenvorplatz eingeweiht.
  • 2011 konnte das ehemalige Remisengebäude zu einem Testzentrum für Sonderanlagenbau sowie für Arbeitsflächen der Bereiche Glas- und Sinterwerkstoffe des Fraunhofer Institutes in Betrieb genommen werden.

Kloster Bronnbach wird auch als „teures Juwel" bezeichnet, denn nur durch zahlreiche Förderer, darunter das Land Baden-Württemberg und die Stadt Wertheim, die Deutsche Stiftung Denkmalschutz, besonders engagierte Unternehmen, lokale Vereine und Privatpersonen ist es möglich geworden, Besuchern und Gästen heute wieder eine weitgehend intakte Klosteranlage und Kulturstätte bieten zu können. Viele Besucher würdigen jährlich das Erreichte mit ihrem Besuch. Dennoch: für einzelne Gebäude und bei den Außenanlagen mit ihren Gärten besteht weiterhin erheblicher Sanierungsbedarf!

Informationen zum im Januar 2007 gegründeten Eigenbetrieb erhalten Sie hier »


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